Manchmal reicht ein einziger Artikel, um eine Gewohnheit zu kippen. Bei mir war es ein Beitrag in Lenny's Newsletter: Die Produktchefin von Webflow, einem Unternehmen, das mit rund vier Milliarden Dollar bewertet wird, beschreibt darin, wie sie Claude Code als persönlichen Chief of Staff einsetzt. Ein Agent, der ihren Kalender und ihre Notizen liest und ihr jeden Morgen ein Briefing baut.
Mein erster Gedanke war ehrlich gesagt: Das ist ein Spielzeug für Leute mit zu viel Zeit. Mein zweiter Gedanke kam beim Blick auf meinen eigenen Kalender.
Der Reddit-Test
Bevor ich selbst baute, wollte ich wissen, ob das nur eine gut erzählte Einzelgeschichte ist. Ist es nicht: Auf Reddit fand ich einen Thread mit über 150 Kommentaren, voll mit Leuten, die genau so einen Agenten betreiben oder daran scheitern. Halbfertige Eigenbauten, überall dieselben Stolpersteine, nirgendwo eine saubere Anleitung.
Das ist für mich immer das interessanteste Signal: Wenn viele Menschen dasselbe unabhängig voneinander zusammenschrauben, ist das kein Hype. Das ist ein echtes Bedürfnis, für das es noch kein Produkt gibt.
Mein eigener Stabschef
Also habe ich es nachgebaut. Ein Agent, der morgens meinen Kalender, mein Postfach und meine Notizen liest und mir eine Seite hinlegt: die Termine des Tages mit dem Kontext, den ich sonst zusammensuchen müsste, die Mails, die eine Entscheidung von mir wollen, die offenen Fäden der Woche.
Der erste Entwurf war mittelmäßig: zu lang, zu höflich, zu viel Rauschen. Nach ein paar Morgen Nachschärfen kam der Moment, den offenbar alle erleben, die das durchziehen: Das Briefing wusste Dinge über meinen Tag, die ich selbst noch nicht auf dem Schirm hatte. Eine Zusage, die sich mit einem Termin biss. Ein Thema, das in drei Mails gleichzeitig eskalierte.
Die Wochenauswertung hat mich dann wirklich getroffen. Der Agent zeigte mir, wie viele meiner Termine ich hätte delegieren können, und wie oft ich an einem Tag zwischen völlig verschiedenen Themen springe. Ich hätte auf Nachfrage behauptet, mein Kalender sei im Griff. Die Auswertung sagte etwas anderes.
Was ich daraus gelernt habe
Erstens: Die CPO von Webflow hat keinen Wissensvorsprung, den Sie nicht aufholen könnten. Die Werkzeuge, die sie nutzt, stehen jedem offen. Was fehlt, ist nur der Weg von der Idee zur laufenden Routine.
Zweitens: Der Wert liegt nicht in der Zeitersparnis am Morgen, so real sie ist. Er liegt darin, den eigenen Kalender zum ersten Mal von außen zu sehen. Ein Chief of Staff sagt einem die unbequemen Wahrheiten über die eigene Zeit. Meiner besteht aus Software, und er ist erstaunlich schwer wieder wegzudenken.
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