Ich gestehe: Mein monatliches Update entstand jahrelang am letzten Abend vor dem Versand. Nicht weil es mir egal war, im Gegenteil. Gerade weil es wichtig war, habe ich es aufgeschoben.
Der Ablauf war immer derselbe: leeres Dokument, alte Version daneben, dann eine Stunde Archäologie im eigenen Monat. Welche Zahlen? Was hatte ich letztes Mal versprochen? Was wollte das Gremium noch wissen? Am Ende stand ein Text, der okay war. Nie mehr als okay.
Der Moment, in dem es kippte
Irgendwann habe ich den Spieß umgedreht und meinem KI-Agenten die Rolle gegeben, die eigentlich ein guter Ghostwriter hätte: Er stellt mir Fragen. Was lief besser als geplant? Wo bin ich hinter dem eigenen Anspruch? Was verschweige ich gerade, weil es unangenehm ist?
Die letzte Frage hat gesessen. Ein Interview zwingt zu Antworten, die man sich beim Selbst-Schreiben elegant erspart. Und reden fällt mir, wie den meisten Gründern, deutlich leichter als formulieren.
15 Minuten statt ein Abend
Heute sieht mein Prozess so aus: Die Zahlen liegen abgelegt bereit, der Agent zieht sie selbst. Ich beantworte eine Viertelstunde lang Fragen, meist zwischen zwei Terminen. Dann bekomme ich einen Entwurf, der klingt wie ich, weil der Agent meine letzten Updates kennt.
Ich prüfe jede Zahl und jede Formulierung, korrigiere zwei, drei Stellen und gebe frei. Nichts geht ohne diesen Schritt raus. Aber der Unterschied ist brutal: Ich redigiere ein gutes Update, statt ein mittelmäßiges zu erfinden.
Was mich am meisten überrascht hat
Nicht die gesparte Zeit. Sondern dass die Updates besser wurden. Der Agent erinnert sich an offene Punkte aus den Vormonaten und fragt von selbst danach: die Sorte Kontinuität, die ein Gremium sofort bemerkt und die vorher schlicht an meinem Kalender gescheitert ist.
Das Update ist vom ungeliebten Pflichttermin zu dem Dokument geworden, auf das ich fast ein bisschen stolz bin. Der Weg dahin ist kein Hexenwerk, aber er hat eine klare Reihenfolge, und die vermittle ich im Kurs.
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